„Mensch, wie fühlt es sich mit Morbus Crohn an? Dir sieht man ja nie etwas an. Geht’s dir gut?“

Diese Frage wurde mir vor kurzem von einer Bekannten gestellt. Natürlich wusste sie ganz genau, was Morbus Crohn oder insgesamt eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung ist, doch was so eine Erkrankung im Inneren anrichtet, das fühlst und siehst nur du selbst, als Betroffene/r.

„Du hast Morbus Crohn? Das hätte ich ja gar nicht gedacht!?“ Ja, ich habe Morbus Crohn seitdem ich 17 Jahre alt bin. Bis es zur Diagnose kam, hat es gedauert. Keiner der Ärzte konnte für meine Beschwerden die Ursache finden. Es kam so weit, dass ich bei meiner 1,68 m Größe nur noch 50 kg wog. Ich habe mich zu Hause vor Schmerzen gerekelt, so als hätten tausend Messer auf meine Bauchdecke eingestochen. Am Tag aß ich höchstens nur noch ein Brötchen, weil ich wusste, irgendwie muss Energie rein. Appetit darauf hatte ich nicht, nicht einmal auf Schokolade. Im selben Zug war mir nämlich klar, dass ich direkt zum Klo rennen und da auch für eine Weile bleiben musste (und das auch mehr als 10 Mal am Tag). Meine Gedanken kreisten nur um das Eine: „Hoffentlich hört mich keiner! Wann hört’s auf?! Das tut so weh!“ Übelkeit und Fieber waren treue Begleiter vom goldenen Krönchen.

Morbus Crohn sowie Colitis ulcerosa sind chronisch entzündliche Darmerkrankungen, die kommen und gehen, wann sie wollen.Wie ein ungeladener Gast, der sich einnistet und immer mehr fordert. Kraft, Stärke, Energie, Freude, Glück, Selbstbewusstsein, ja sogar die Hoffnung. Stress verstärkte meine Symptome und führte dazu, dass ich während einer Prüfung mehrmals rausgehen musste. Würde ich es zum Klo schaffen?!

Wenn ich auf’s Klo musste, war es dringend. Mehr als nur dringend! In diesen Momenten wünschte ich mir, Flash zu sein. Kennt ihr Flash? „Und wo zum Teufel ist nur eine verdammte Toilette?“ Man kommt ins Schwitzen, die Kontraktionen nehmen ruckartig zu und man betet zu Gott, dass es zu keinem peinlichen Unfall kommt. Glaubt mir, diese Situationen hatte ich oft. Einmal sogar, als ich zu meinem frischverliebten Freund durch die Stadt „schlenderte“ oder besser gesagt „wellte“?! (Er ist immernoch mein Freund, zum Glück!!)

Das bringt mich aber zum nächsten Punkt: Morbus Crohn ist eine Erkrankung, die man (weitestgehend) nicht sieht. Auf der einen Seite, ist es toll! Genau in solchen Momenten, wenn man richtig in der Uni oder auf Arbeit durchpowern, wenn man einen Marathon meistern möchte, wird man nicht mitleidig angeguckt als wäre man ein krankes, armes, schwaches Etwas. Man wird nicht mit Samthandschuhen angefasst. Denn eines muss ich gestehen: Ich hasse Mitleid! Ich hasse es wirklich! Deshalb habe ich auch kaum von meiner Erkrankung erzählt. Immerzu bewahr ich meinen starken Panzer, den kaum einer durchdringen konnte. Das war meine Kontrolle. Kontrolle über mich und das Äußere, denn die hatte ich über das Innere so ganz und gar nicht.

Doch das, auf der anderen Seite, ist eine große Bürde. Wie oft verkniff ich meine Backen als ich in einer langen Schlange, gefühlt mit Millionen Leuten vor mir, stand und auf eine freie Toilette wartete. „Aber warte mal, wieso nimmst du nicht die Toilette für Behinderte?“ Tja, wäre da nicht dieses eine unangenehme Erlebnis mit der Putzfrau gewesen. Als ich fest entschlossen zur Behinderten-Toilette lief und sie fragte, ob ich diese kurz nutzen dürfte, hat sie sich in den Weg gestellt und gesagt: „Bitte stellen Sie sich in die Reihe, schließlich muss ja jeder auf die Toilette gehen und vordrängeln ist nicht! Diese Toilette sollte ausschließlich für Behinderte freigehalten werden.“ Tja. Hm. Ich bin natürlich kein Mensch mit einer sichtbaren Behinderung, aber Morbus Crohn bzw. CED ist in gewisser Hinsicht eine, eine unsichtbare. Man bettelte und bettelte und versuchte sich zu erklären. Und irgendwie fühlte es sich oft so an, als wäre man ein Simulant. Vielleicht ist es ja auch nur eine Ausrede?! Schließlich sieht man einem die Erkrankung nicht an. Ich möchte keinem etwas unterstellen, aber das sind Gedanken, die oft in meinem Kopf kursierten.

(Bitte, wenn euch das nächste mal jemand höflich fragt, ob er/sie vor dir auf die Toilette gehen dürfte, dann gibt es dafür wohl einen triftigen Grund!)  

Und genau auch diese Momente bzw. Stresssituationen waren meist die schlimmsten Auslöser für meine Beschwerden. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich nach der OP Morbus Crohn in den Griff bekam. Ich arbeitete hart an meiner Ernährung, persönlichen Einstellung und dem Umgang mit Stresssituationen. Schaffte mir meine eigenen kleinen Rituale und ließ sie mir nicht wegnehmen.Nicht die Erkrankung schöpfte die Kraft aus mir, sondern Ich schöpfte die Kraft aus der Erkrankung.

Hin und wieder gibt es Momente, wo mich das Gefühlschaos wieder einholt. Als ich einen Personalfragebogen für meine damals neue Arbeit ausfüllte, sollte man angeben, ob man eine wiederkehrende Erkrankung hat. Natürlich schießt es sofort in den Kopf: „Was denkt mein Arbeitgeber, wenn er das liest? Schließt er daraus, dass ich nicht belastbar bin und des Öfteren auf Arbeit fehlen würde?“ Letztendlich erlosch ich diese Gedanken schleunigst, denn ich fokussiere mich auf das Hier und Jetzt. Jetzt geht’s mir gut. Ich tue alles dafür, mein Leben mit Maximum zu genießen, alles zu geben. Und es einfach zu leben, ohne negative Gedanken.

Und so sollte wirklich Jeder jeden einzelnen Tag auskosten, egal ob krank oder nicht. 

Bis bald
Eure Dominika

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„Hallo, mein Name ist Dominika!

Ich bin Ernährungswissenschaftlerin und habe seit mehreren Jahren meine Spezialisierung im Bereich „Darmgesundheit“. 

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Ich habe alles ausprobiert. Am besten geht es mir, wenn ich nichts esse. Entlaste ich damit den Darm?

Um eine ausreichende Nährstoffzufuhr, eine reiche Darmmikrobiota sowie eine ganzheitliche Gesundheit aufzubauen und zu erhalten, ist eine regelmäßige und Symptom-orientierte Ernährung notwendig. Der Darm und seine Bewohner brauchen die richtige Nahrung. Lass dich auf deinem Weg professionell beraten und sei geduldig. Tausche dich darüber am besten mit deinem Ernährungsberater aus oder kontaktiere mich gerne über das Formular. 

Ich habe keine festgestellten Intoleranzen. Warum vertrage ich dennoch keine frischen Milchprodukte oder ballaststoffreiche Lebensmittel?

Frische Milchprodukte enthalten höhere Mengen an Probiotika als gewohnt, sodass diese kurzfristig zu Laktoseunverträglichkeit-ähnlichen Symptomen führen können. Ähnlich verhält es sich auch bei ballaststoffreichen Lebensmitteln, die Präbiotika enthalten. Der Darm muss sich schlichtweg an die neue Bevölkerung gewöhnen. Entlasten kannst du deinen Bauch anfangs durch eine Kombination aus Gemüse und pflanzlichen Ölen (z.B. Leinöl).

Kohlsorten, Bohnen oder auch Ballaststoffe blähen auf. Wie kann ich dagegen vorgehen?

Eine abwechslungsreiche Ernährung ist wichtig, dazu gehören auch gesunde Fette. Diese entlasten nämlich den Darm, indem sie dafür sorgen, dass die Nahrung länger im Magen verweilt. Kombiniere die Mahlzeiten daher immer mit pflanzlichen Fetten. Aber aufgepasst – auch die Menge ist wichtig. Beispielsweise bläht tiefgekühltes Kohl oder Bohnen weniger auf.

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