Diese Frage wurde mir innerhalb der letzten Wochen, wo es vermehrt um Nahrungsergänzungsmittel wie Probiotika und Präbiotika ging, in verschiedenen Ausführungen gestellt. Ist es empfehlenswert bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen zu supplementieren? Welches Nahrungsergänzungsmittel würdest du mir empfehlen, um…? Welche Dosis und welche Qualität von Supplement ist die Richtige für mich und vor allem wie stelle ich sicher, dass ich zum „richtigen“ Supplement greife?

Auch ich habe mir zu diesem Thema viele Gedanken gemacht. Ich habe Supplemente ausprobiert und darüber berichtet. Nun würde ich gern das Thema Nahrungsergänzungsmittel näher beleuchten und „aufräumen“. Eines vorab: Die obigen Fragen lassen sich leider nicht pauschal beantworten. Da ich aber zu diesem Thema doch einiges aus dem Studium der Ernährungswissenschaften mitgenommen habe, habe ich für dich eine hilfreiche Übersicht zu den wichtigsten Fakten zusammengestellt. Weitere Fragen kannst du mir gerne über die Kommentarfunktion stellen.

  1. Versorgungszustand beim Arzt überprüfen lassen!
    Bevor du zu verschiedensten, überdosierten Präparaten greifst, solltest du deinen Versorgungszustand überprüfen lassen. Ich habe nicht wenige Freunde, die ihr Geld auf teure Nahrungsergänzungsmittel verschwenden ohne ihren persönlichen Zustand zu kennen. Grundsätzlich gilt, dass wir in Deutschland sehr gut mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgt sind (bis auf wenige Ausnahmen oder Gruppen wie: Vitamin D im Winter; Erkrankte, Frauen mit Kinderwunsch oder Schwangere). Was mir auch insbesondere am Herzen liegt ist, dass Nahrungsergänzungsmittel nicht nur positiv sondern auch negativ wirken können. Sie können Nebenwirkungen mit sich bringen, sei es man dosiert sie nicht richtig, man beachtet nicht den Versorgungszustand oder die Wechselwirkungen mit anderen Nahrungsergänzungsmitteln, Medikamenten oder Lebensmitteln. Sobald du etwas einnimmst, löst du eine Kaskade im Körper aus. Also sei dir der Wirkungen bewusst, denen du deinen Körper unüberlegt und basierend auf Pauschalaussagen aussetzt. Sollte ein Mangel festgestellt worden sein, sollte die erste Wahl auf einen Ausgleich mit entsprechender Ernährung sein.

 2. Bei klarer Indikation supplementieren

Blindes drauf los Supplementieren ohne deinen Versorgungszustand oder den Zustand deines Darmes zu kennen, kann nach hinten losgehen. Deshalb empfehle ich die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln nur dann, wenn eine klare Indikation vorliegt. Und auch hier spreche ich zunächst die Empfehlung aus, auf natürliche Maßnahmen, wie beispielsweise Anpassung des Ernährungsplans, zurückzugreifen.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf das komplexe Thema Probiotika eingehen: Auf dem Markt gibt es zahlreiche Präparate. Je mehr ich mich jedoch mit diesem Thema auseinandersetze, umso weniger kann und möchte ich eine Empfehlung abgeben. Die Mikrobiota-Forschung steckt noch in Kinderschuhen und noch lange wissen wir nicht, welchen Einfluss die Millionen Kleinstlebewesen, die in uns wohnen, auf den Darm oder gar den gesamten Organismus ausüben. Auch die Qualität des Präparates sollte stimmen, in meisten Fällen kann es sein, dass du Geld aus dem Fenster wirfst, da die darin enthaltenen Kulturen womöglich schon längst tot sind. Im ungünstigen Fall führst du Kulturen zu dir, die dein Darm gar nicht braucht und bringst so deine Darmflora in ein Ungleichgewicht. Deshalb auch hier nochmal: Lass dich vorher untersuchen und schau genau, was dein Körper braucht.

3. Denke an mögliche Wechselwirkungen!
Wie im vorherigen Punkt bereits angedeutet, können Nahrungsergänzungsmittel mit anderen Stoffen (sei es aus Medikamenten oder Lebensmitteln) wechselwirken. Es kommt nicht selten vor, dass ich bei Freunden ein Arsenal an Nahrungsergänzungsmitteln im Schränkchen stehen sehe. Diese werden dann morgens nacheinander mit Wasser und/oder Saft oder Kaffee runtergespült und los geht’s zur Arbeit. Aber schon mal daran gedacht, dass das Koffein aus Kaffee die Eisenaufnahme hemmt? Oder schon mal daran gedacht, dass die Supplementierung von einem Vitamin/Mineralstoff zum Mangel eines anderen Vitamins/Mineralstoff führen könnte? Bevor du zu einem Nahrungsergänzungsmittel greifst, informiere dich entsprechend.

Hier eine kleine Liste mit den wichtigsten Wechselwirkungen, die du beachten solltest:

Wechselwirkungen zwischen Vitaminen und Mineralstoffen

  • Magnesium vs. Kalium
  • Magnesium vs. Natrium
  • Magnesium vs. Calcium
  • Calcium vs. Eisen
  • Eisen vs. Chrom
  • Zink vs. Kupfer

Wechselwirkungen zwischen Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten

  • Folsäure vs. Mehtotrexat (Medikament gegen Krebserkrankungen)
  • Gingko vs. Warfarin, Ibuprofen, Voltaren, Antibiotika, Antidepressiva
  • Jod vs. Medikamente zur Behandlung von Schilddrübenüberfunktion
  • Vitamin A vs. Retinoide (z.B. in Medikamenten gegen Akne enthalten)

Wechselwirkungen zwischen Nahrungsergänzungsmitteln und Lebensmitteln/Genussmitel

  • Eisen vs. Koffein (Tee, Kaffee) und Milch
  • Ginseng vs. Koffein
  • Beta-Carotin vs. Rauchen

Beachte: Die Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln sind nicht dazu verpflichtet über mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten zu informieren. Eine gute Liste über „Was Nahrungsergänzungsmittel verschweigen dürfen…“ findest du bei der Verbraucherzentrale hier.

Außerdem ist es immer ratsam, sich mit dem Arzt vorher abzustimmen und nachzufragen, ob es mit deinen Medikamenten kollidieren könnte.

4. Viel hilft viel … oder auch nicht!

Du kommst vom Arzt frisch nach Hause mit einem diagnostizierten Mangel oder du hast eine Ration an Nahrungsergänzungsmitteln vergessen? Dann bitte, bitte unterlasse es und nimm nicht deshalb gleich die doppelte Portion ein. Der Spruch „Viel hilft viel“ hilft nicht unbedingt immer. Das mag vielleicht bei Vitamin D3 im Winter der Fall sein, allerdings macht das nicht unbedingt bei allen Vitaminen und Mineralstoffen Sinn. Vitamin C ist beispielsweise wasserlöslich und die Überdosis wird höchstwahrscheinlich in deinem Urin landen. Teurer Urin, nicht wahr?!

Der richtige Weg wäre also zuerst den Versorgungszustand beim Arzt abzuklären und anschließend die entsprechende Dosage zu bestimmen. Lass dich von diesem Weg nicht abbringen, auch wenn du auf Pauschalaussagen wie „Deutschland ist mit Vitamin C unterversorgt“ antreffen solltest. Es gibt natürlich auch Ausnahmen bei diesen Pauschalaussagen, dies ist vor allem bei Vitamin D und Jod bekannt. Aber auch hier, kannst du offen mit deinem Arzt oder Ernährungstherapeuten sprechen.

Fazit: Ob die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sinnvoll ist, ist individuell zu betrachten. Die Thematik ist komplex und hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie Medikamenteneinnahme, Gesundheitsstatus oder Versorgungszustand. Jeder sollte zunächst seinen persönlichen Versorgungszustand kennen, bevor er in teure Nahrungsergänzung investiert. Außerdem sollte man zunächst versuchen, die persönliche Ernährungsweise zu beleuchten und zu richtigen Lebensmitteln greifen. 

Gute Beispiele für Vitamin- & Mineralstofflieferanten aus Lebensmitteln:

 

 

 

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„Hallo, mein Name ist Dominika!

Ich bin Ernährungswissenschaftlerin und habe seit mehreren Jahren meine Spezialisierung im Bereich „Darmgesundheit“. 

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Häufige Fragen

Ich habe alles ausprobiert. Am besten geht es mir, wenn ich nichts esse. Entlaste ich damit den Darm?

Um eine ausreichende Nährstoffzufuhr, eine reiche Darmmikrobiota sowie eine ganzheitliche Gesundheit aufzubauen und zu erhalten, ist eine regelmäßige und Symptom-orientierte Ernährung notwendig. Der Darm und seine Bewohner brauchen die richtige Nahrung. Lass dich auf deinem Weg professionell beraten und sei geduldig. Tausche dich darüber am besten mit deinem Ernährungsberater aus oder kontaktiere mich gerne über das Formular. 

Ich habe keine festgestellten Intoleranzen. Warum vertrage ich dennoch keine frischen Milchprodukte oder ballaststoffreiche Lebensmittel?

Frische Milchprodukte enthalten höhere Mengen an Probiotika als gewohnt, sodass diese kurzfristig zu Laktoseunverträglichkeit-ähnlichen Symptomen führen können. Ähnlich verhält es sich auch bei ballaststoffreichen Lebensmitteln, die Präbiotika enthalten. Der Darm muss sich schlichtweg an die neue Bevölkerung gewöhnen. Entlasten kannst du deinen Bauch anfangs durch eine Kombination aus Gemüse und pflanzlichen Ölen (z.B. Leinöl).

Kohlsorten, Bohnen oder auch Ballaststoffe blähen auf. Wie kann ich dagegen vorgehen?

Eine abwechslungsreiche Ernährung ist wichtig, dazu gehören auch gesunde Fette. Diese entlasten nämlich den Darm, indem sie dafür sorgen, dass die Nahrung länger im Magen verweilt. Kombiniere die Mahlzeiten daher immer mit pflanzlichen Fetten. Aber aufgepasst – auch die Menge ist wichtig. Beispielsweise bläht tiefgekühltes Kohl oder Bohnen weniger auf.

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